Elfmeter

Hölzer, Malerei, Holzschnitte

Vernissage 12. März 2020

Ausstellungsdauer 13. März bis 26. Mai 2020

Einladung: Elfmeter

Liebe Kundinnen und Kunden,
liebe Freundinnen und Freunde der Galerie,

das Kunstmuseum Bonn eröffnet am 11. März 2020 die Ausstellung Martin Noël: paintprintpaint.
Wir freuen uns sehr für Martin Noël, der zehn Jahre nach seinem Tod diese verdiente Auszeichnung erfährt, hat er doch Herausragendes im Bereich des Linol- und Holzschnitttes geleistet. Seine immer neuen Definitionen von Linie zu Fläche machen ihn unverwechselbar.

Da wir in den letzten Jahren die Arbeiten von Martin Noël sowohl als Einzelausstellung als auch in der Gruppe gezeigt haben, lag die Idee nahe, dass die Galerie Bernd Bentler diese Ausstellung mit einer eigenen Schau seiner Arbeiten in den Galerieräumen begleitet. Diese Idee konnten wir realisieren und zeigen ab Freitag, dem 13. März 2020, prinzipiell eine an die Museumsausstellung angelehnte Rückschau seines Werkes, allerdings in kleineren und mittleren Formaten, die für Wohnräume geeignet sind. Unser Dank gilt hier Frau Margarete Noël für ihre großzügige Unterstützung.
Natürlich freuen wir uns sehr, wenn wir Sie an diesem Tag ab 19.30 Uhr in der Galerie begrüßen können.

Untenstehend finden Sie Auszüge aus einem Interview zur Ausstellung, und bekommen so hoffentlich ein kleines Gefühl für die Arbeit Martin Noels:

MN: Gehen wir gleich in Medias Res: Warum haben Sie Martin Noël, als Sie damals Intendant der Kunst- und Ausstellungshalle der Bundesrepublik Deutschland waren, nicht ausgestellt?

WJ: Unsere Programmschwerpunkte lagen auf den Themenbereichen Kunst, Kultur, Technik und Wissenschaft. Eine One Man Show ging damals nur einmal im Jahr und hier hatten wir natürlich Favoriten die bereits an der Schwelle zum Weltruhm standen wie Gerhard Richter, Siegmar Polke und Sam Francis nicht zu vergessen. Martin Noël starb leider mit 54 Jahren zu früh. 2010 erhielt er nach seinem Tod eine
sehr interessante Ausstellung im Arp Museum Rolandseck die einen ersten Überblick über sein Lebenswerk wiederspiegelte.

MN: Was hat Sie dazu bewogen sich erneut mit Martin Noël zu
beschäftigen?

WJ: Durch Zufall stieß ich auf die frühen Kataloge der Galerie Erhard Klein. Hier entdeckte ich Martin Noël zwischen den angesprochenen Größen die damals erst zu wachsen begannen – das machte mich neugierig auf das was damals Erhard Klein bereits gesehen hatte und was mir verborgen geblieben war. Jedenfalls bin ich heute sehr froh, dass sich viele Unterstützer gefunden haben um die Ausstellung zu realisieren. Dabei können wir unter anderem auch der von Ihnen gestellten Frage nachgehen. Das von Stephan Berg und dank Ihrer Mithilfe entwickelte Konzept hilft dabei. Es konzentriert sich auf drei Werkgruppen in drei Räumen – ppp – paint print paint so könnte man sie einzeln benennen.

MN: Wo würden Sie den Noël heute einordnen?

WJ: Einordnen ist immer so eine Sache. Einordnen und wegschließen. Das war es dann. So sollte es nicht sein. In der Ausstellung steht das erste p für seine frühe informelle Malerei in der es um einen impulsiven, wilden und satten Farbauftrag geht, der die Silhouette einer Körperhaftigkeit umfließt. Diese dunkle Körperhaftigkeit, der Farbauftrag, ja auch die schwarz-weiße Farbigkeit und selbst das bei Noël später auftauchende Motiv der Leiter findet sich in den Werken des holländischen Künstlers Armando aus den achtziger Jahren wieder.

MN: Meinen Sie damit das er Armando imitierte?

WJ: Martin Noël war damals in den künstlerischen Anfängen und suchte einen Anknüpfungspunkt um von dort zu seiner Aussage zu finden. Übrigens ein Vorgehen welches sich in der gesamten Kunstgeschichte wiederfindet. Künstler lassen sich von Künstlern anregen, greifen auf und finden zu etwas völlig Neuem. Noël war - und das belegt seine über 4000 Bücher umfassende Bibliothek - äußerst belesen und über die Geschichte der Malerei bestens informiert.

MN: Was meinen Sie damit? Können Sie das näher ausführen und erklären worin Sie denn jetzt seine Stärken sehen?

WJ: Das Werk von Martin Noël im zweiten p basiert auf den Überlegungen des an der Entwicklung der modernen Kunst
maßgeblich beteiligten Otto Freundlich (1878- 1943). Er erachtete die Linie als das wesentliche Trennungsmerkmal zwischen den Dingen, die eine räumliche Wahrnehmung erst möglich macht. Von Bedeutung für Noël sind auch die Gedanken des englischen Philosophen John Berger (1926-2017) in denen er sich für die Entdeckung des unbeachteten, des eher Bedeutungslosen, bei der Wahrnehmung von Natur aussprach. So abstrakt die Bilder von Martin Noël erscheinen mögen, so haben sie alle ihren Ursprung in der unmittelbaren, von Berger angesprochenen, unbeachteten Realität. Seien es die Risse im Boden des World Trade Centers in New York nach der ersten Bombenattacke von 1993 oder seien es die Risse in den Wänden der Häuser von Venedig oder die Schatten der Blumen die er auf seinen Reisen nach Gomera entdeckte und als Skizzen auf Papier brachte. Später schnitt er diese Linien in das Holz eines Druckstockes und fertigte ganz in der Tradition von Albrecht Dürer seine Serien. Dabei druckte er in einer ganz besonderen Farbigkeit
die sich gelegentlich an der Farblehre von Le Corbusier (1887-1965) orientierte.
Er druckte stets in kleinen Auflagen, bei den größeren Drucken handelt es sich meist um Unikate, die sich durch eine kräftige und farbige Strukturierung der Ölfarben auf dem Blatt auszeichnen. Oft erklärte er nach Abschluss der Druckarbeiten den Druckstock selbst zum künstlerischen Objekt, indem er ihn mit Farbe oder Blattgold überzog und ihm so seine Wiederverwendbarkeit entzog. In seinem gesamten künstlerischen Werk und darin liegt die eigentliche Leistung von Martin Noël, fand er zu einer eigenen künstlerischen Position. Sie definiert sich aus dem exzessiven Dialog zwischen Linie und Fläche, die nicht einem konkret konstruktiven Ansatz, wie ihn Günther Förg vollzieht, sondern sich aus der Wirklichkeit speist. Dabei gelingt es ihm, den bedeutungsschweren expressiven Realismus, wie er sich in den Drucken von Künstlern wie Baselitz, Kiefer und Lüpertz aber auch bei Felix Droese wiederfinden lässt, hinter sich zu lassen, um sich ein eigenes Territorium Artis zu schaffen.

MN: Im dritten p findet Martin Noël wieder zurück zur Malerei wie es sich in den letzten zum Objekt zurückgemalten Druckplatten schon andeutete. So steht dieses p für sein Spätwerk und zugleich für seine vielleicht erfolgreichste Malphase.

WJ: Mit ihr vollzieht er die komplette Auflösung der Figuerlichkeit, die komplette Befreiung von jeglicher Thematik. Dabei ist es nicht verwunderlich das der kräftige Duktus des Pinselstrichs und der dadurch stark strukturierte Farbauftrag an die Arbeitsweise Franz Kline erinnert. Kline ist einer der wichtigen Vertreter des abstrakten Expressionismus, des Action Painting in den Sechzigern in Amerika. In Anlehnung an diese Malmethode findet Noël zu einem einzigartigen Umgang mit Farb- und Lichtreflexen von dem man sagen kann: Licht und Farbe hat er uns ins Bild gebracht und nicht ein Bild von Licht und Farbe gemalt. Dabei ist er sich und dem Informell auf hohem Niveau in einzigartiger Weise treu geblieben.

Herzlichst
Ihre Jenny Geißler-Bentler und Bernd Bentler

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