transformatio col legno
Skulpturale Papierreliefs
Ausstellungsdauer 13. Juni bis 24. August 2025
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Liebe Besucherinnen und Besucher,
Liebe Freundinnen und Freunde der Galerie,
Die Geschichte der Bonner Namen-Jesu-Kirche lässt erstaunliche Parallelen zu der künstlerischen Arbeit von Aja von Loeper erkennen. Denn die Geschichte sagt, dass „ein Holzstück zum Anlass für den Bau und Namen der Kirche wurde“. Genauer gesagt „ein Buchenscheit, das im Jahr 1681 ein Holzarbeiter bei Fällarbeiten im Rheinbacher Wald fand und auf diesem das Christusmonogram I H S zu erkennen glaubte…“
Tatsächlich wurde auch für Aja von Loeper ein einfaches Stück Buchenholz zum Zentrum ihrer künstlerischen Arbeit - obwohl es im Werk in der Ausstellung für den Betrachtenden nicht sichtbar wird. Denn das Stück Holz ist „nur“ ihr Werkzeug und bleibt - im Gegensatz zum Instrument beim Musizierenden - im Verborgenen. Mit diesem Werkzeug aus Buchenholz, welches Sie selbst herstellt, bearbeitet sie ein weißes Blatt Papier mit so viel Kraft und zugleich Feingefühl, dass es sich in unterschiedlichen Strukturen der Künstlerin entgegenwölbt. So entsteht ein bis zu 9 cm hohes, skulpturales Relief, das wirkt, als sei es wie natürlich heraus-gewachsen - und so, als habe es mehr Materie als vorher - obwohl es in Wirklichkeit weniger wird: denn durch die Reibung lösen sich zunehmend zarte, weiße Flocken aus dem Papier heraus - wie „weiße Erde“…
Die Geschichte der „Weißen Blätter“, die hier ausgestellt sind, beginnt im Sommer des Jahres 2000.
Aja von Loeper berichtet, dass Sie ihre spezielle Technik vor einer Birke im Wald gefunden hat. Ursprünglich gab wohl es die Aufgabe ihrer Professorin, die Rinde dieser Birke zu zeichnen. Räumlich! Ein schwieriges Unterfangen, ist die Rinde einer Birke stellenweise eben äußerst glatt, unmittelbar daneben aber tief aufgerissen und rau. In ihren „Weißen Blättern“ ist ihr diese Darstellung dreidimensional perfekt gelungen. Man kann also mit Fug und Recht sagen, dass diese Kunst stark inspiriert ist von der Natur, ja, dass sie aus ihr kommt.
Wenn Sie also in die Bonner Namen-Jesu-Kirche hineingehen, wird Ihnen rechts und links im Seitenschiff viel Weiß entgegenschweben - wie ein Wald voller „Weißer Blätter. Im Mittelgang - wenden Sie Ihren Kopf gen Himmel - werden Sie wie frei schwebend in der Luft ein acht Meter langes, in Wachs gehülltes „ Weißes Blatt“ sehen, dessen skulpturales Relief durch das Bienenwachs und das viele Licht, das von oben kommt, dunkel aber umso deutlicher in Erscheinung tritt. Weiter hinein im Mittelgang werden Sie auf eine hölzerne Rampe stoßen, ihren Blick also spätestens dann hier wieder nach unten zur Erde hin lenken und erkennen, dass da ein großes „Weißes Blatt“ quer zu Ihren Füßen liegt. Dort können Sie also die Sicht einnehmen, die Aja von Loeper hat während ihrer Arbeit im Atelier.
Und Sie dürfen sich von der Kunst erheben lassen und sogar selbst darüber „schweben“ - denn über dem hölzernen Kasten, in dem sich das große quer liegende „Weiße Blatt“ befindet, liegt eine dicke, begehbare Glasplatte, die Sie trägt und Sie wieder entspannt aufschauen lässt in Richtung Altar. Von oben gesehen ergeben also das acht Meter lange, in Wachs gehüllte „Weiße Blatt“ und das im Holzkasten liegende in der Mitte des Kirchenraumes ein Kreuz.
Wenn Sie dann links oder rechts im Seitenschiff zurück in Richtung Eingangstür der Namen-Jesu-Kirche gehen, können Sie erfahren, wie die Weißen Blätter von hinten wirken - wie sie je nach Licht auch von dieser Seite plastisch erscheinen, obwohl sie dort in Wirklichkeit konkav - also nach innen gewölbt sind.
Und was Sie in den dunklen Beichtstühlen entdecken können, ist eine Vielfalt von dem, was sich in der künstlerischen Arbeit der Aja von Loeper außerdem entwickelt hat. Neben den klassischen „Weißen Blättern“ sehen Sie dort auch die „Weißen Blätter“ in Gold, eine perfekte Einlassung auf die Vergoldungen der Kirche. Auch finden Sie die „Weißen Blätter in Wachs“, die die „Himmelsarbeit“ im Mittelgang wieder aufgreifen. Bienenwachs hat eine faszinierende Eigenschaft: Es ist transluzent, es leitet das Licht, auch durch das Papier hindurch, so dass es transparent wirkt.
Eberhard Hadem, dessen lesenswerten Text Sie im Booklet finden können, vergleicht Aja von Loepers Arbeiten mit Schnee und Gletschern, gerne werden sie aber auch mit der Erscheinung von Wolken in Verbindung gebracht. Wir würden gern noch unsere Idee dazu geben: Es sind florale Formen, die an Blätter, manchmal auch an noch geschlossene Knospen erinnern. Allerdings sind auch dies alles Vergleiche, die der Natur entspringen.
Geht man mit diesen Arbeiten um, so muss man wissen, wie fragil, wie zart diese Blätter sind und dass man sie sehr vorsichtig behandeln muss, um sie nicht zu zerstören. Und genau hier liegt für uns die Metapher, die Verbindung in das reale Leben: Die Natur selbst, genau wie deren Abbild, ist fragil, leicht zu zerstören und unser Umgang mit ihr sollte behutsam und vorsichtig sein.
Vielleicht würde Eberhard Hadem mit uns, mit dem Bischof der Altkatholischen Kirche, Matthias Ring, und vielleicht mit Ihnen einer Meinung sein, wenn wir sagen: Aja von Loepers Kunstwerke sind eine Erinnerung und Aufforderung zur Bewahrung der Schöpfung. Denn wir haben nur diese eine, eine andere werden wir nicht bekommen.
Herzlichst
Ihre Jenny Geißler-Bentler und Bernd Bentler
Auszüge aus den Texten von: Aja von Loeper, Eberhard Hadem, Matthias Ring, Jenny Geißler-Bentler, Bernd Bentler