Resonanzen in Stahl
Ausstellungsdauer 14. Oktober 2026
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Sehr geehrte Damen und Herren,
Liebe Freundinnen und Freunde der Galerie,
Mit der Ausstellung „Resonanzen in Stahl" wird der seit 2023 bestehende Skulpturenpfad, der seit einigen Jahren Besucherinnen und Besucher aus nah und fern in seinen Bann zieht, abgelöst: Zehn Großskulpturen des Bildhauers Thomas Röthel finden ihren Platz – diesmal ausschließlich auf dem Gelände der DHL Group.
Der Ort ist bewusst gewählt, denn hier treffen drei Welten aufeinander: Die der Logistik, des Tempos, der effizienten Abläufe, dann die der Architektur mit Helmut Jahns Posttower aus Stahl und Glas, und schließlich die der kontemplativen Skulpturen, die zum Innehalten einladen. Gerade in dieser Spannung wird der Ausstellungstitel zum Programm: Röthels Skulpturen stehen nicht einfach im Raum, nein, sie antworten – auf den Ort, auf das Licht, auf die Jahreszeit und nicht zuletzt auf jenen, der sich ihnen nähert. Resonanz entsteht.
Thomas Röthel, 1969 in Ansbach geboren, ausgebildet zunächst als Holzbildhauer, dann an der Akademie der Bildenden Künste Nürnberg, arbeitet seit Mitte der 1990er Jahre mit einem Material, das widerständiger kaum sein könnte: dem Stahl. Der schwere Stahl, bei enormer Hitze bearbeitet, verwandelt sich unter Röthels Händen in oft filigran und fragil anmutende Gebilde, deren Dynamik und Leichtigkeit die Schwere des Materials fast vergessen lassen.
Die zehn Arbeiten, die nun den Skulpturenpfad in der Rheinaue verlängern, versammeln die klanglichen Register von Röthels Œuvre – und es sind, das sei vorweggeschickt, höchst unterschiedliche Stimmen, die hier miteinander in Dialog treten.
Da sind zunächst die "Dynamiken": Stahlstreben, die sich verdrehen und um die eigene Achse drehen, als wäre ein einziger Augenblick der Bewegung im Stahl eingefroren. Ihre Silhouetten spielen die Schwere des Werkstoffs gegen die Flüchtigkeit des Moments aus: Gewinnt die Schwerkraft oder die Energie der Drehung? Röthel lässt die Frage offen – und genau darin liegt die Faszination seiner Arbeiten.
Ganz anders begegnet uns die "Schichtung achtfach": acht übereinandergeschichtete Stahlplatten, die in ihren sanften Wiegungen und Verformungen exakt aufeinander passen. Während die Dynamiken in den Raum ausgreifen, ragt die Schichtung vertikal in den Himmel der Rheinaue – still, konzentriert, beinahe meditativ, ein Kontrastpunkt zu den Bewegungsstudien ihrer Geschwister.
Die "vertikale Schwingung" hingegen ragt gebogen und geschwungen in den Himmel und die Baumwipfel, und ihre auf einer Seite bearbeitete Oberflächenstruktur wirkt beinahe zeichenhaft oder skizzenartig.
Und dann der "Bogen": eine zweiteilige Skulptur, die sich wie eine Brücke über einem imaginären Graben über den Boden wölbt – zwei aufeinander zulaufende Viertelkreise. Doch der Bogen ist nicht geschlossen: Die beiden Stahlelemente berühren sich nicht, sie lassen einen Spalt von gerade einmal sechs Zentimetern frei. Wir erleben hier ein schwebendes Gleichgewicht.
Zusammen ergeben die zehn Skulpturen damit ein vielstimmiges Klangspektrum, in dem jede Arbeit auf die andere antwortet und alle gemeinsam auf den Ort. Mit dem Wechsel von Licht und Wetter verändert sich das Bild: Das Herbstlicht lässt die Stahloberflächen aufglühen, Regen taucht sie in tiefes Anthrazit, Morgentau gibt ihnen einen silbrigen Schimmer.
Resonanz entsteht bekanntlich nur dort, wo etwas zurückbleibt, wenn der Ton verklungen ist. Bei Thomas Röthel bleibt etwas – und klingt nach.
Die Galerie Geißler Bentler, dem Werk Röthels seit vielen Jahren verbunden, lädt Sie damit herzlich ein, den verlängerten Skulpturenpfad zu begehen.
Herzlichst
Ihre Jenny Geißler-Bentler und Bernd Bentler